Ich schulde einer insolventen Firma etwas…Glück gehabt?

Wenn eine Firma Insolvenz anmeldet, gab es vorher häufig Unregelmäßigkeiten in der Buchhaltung, manchmal auch in der Geltendmachung von Forderungen. Aber als Schuldner einer insolventen Gesellschaft sollte man sich nicht zu früh freuen:

Die Aufgabe des Insolvenzverwalters ist es, Vermögen des Insolvenzschuldners zu sichern und beizutreiben. Dazu gehört auch, dass er Verbindlichkeiten gegenüber der insolventen Firma geltend macht. Und da der Insolvenzverwalter meistens ein Anwalt ist, macht er diese Forderungen auch klageweise gerichtlich geltend.

Das bedeutet, man kann vom Insolvenzverwalter einer insolventen Firma verklagt werden, wenn man dieser Firma etwas schuldet. Der Insolvenzverwalter oder ein von ihm beauftragter Anwalt klagt dann im Auftrag der insolventen Firma.

Die Hilflosigkeit des Insolvenzgläubigers

Eine Firma schuldet Ihnen Geld, und Sie erfahren plötzlich von der Insolvenz. Egal, ob es um viel oder wenig Geld geht, klar ist: Dieses Geld werden Sie so schnell nicht bekommen! Was passiert nun, und was sind die nächsten Schritte?

Vielleicht fühlen Sie sich etwas hilflos und überfordert, wenn Sie das Schreiben vom Insolvenzverwalter erhalten haben, dass Sie bitte Ihre Forderung anmelden sollen. Das ist nachzuvollziehen, denn dieses ist voller Paragraphen und juristischer Fachbegriffe, die man nicht auf Anhieb versteht.

Klar ist auch: Der Insolvenzverwalter hilft Ihnen nicht. Zumindest nicht in der Form, dass er Ihnen die Dinge erklärt oder sich überhaupt Zeit nimmt. Im Regelfall wird er nicht einmal Anfragen von Ihnen nach dem Sachstand beantworten, denn dazu ist er gesetzlich nicht verpflichtet.

Sie müssen nun Ihre Forderung zur Insolvenztabelle anmelden, damit diese in die Tabelle aufgenommen wird. Wenn die Forderung bestritten wird, müssen Sie klagen.

Ist Ihre Forderung in die Insolvenztabelle aufgenommen, so sind Sie Insolvenzgläubiger. Sie können nun an den Gläubigerversammlungen teilnehmen und dort abstimmen. Im Normalfall wird Ihnen das allerdings nichts bringen, denn bei einer durchschnittlichen Insolvenz gibt es dort nichts Wichtiges zu besprechen.

Der Insolvenzverwalter wird das Vermögen der insolventen Firma sichern und Forderungen eintreiben. Nur Schulden bezahlen wird er nicht. Diese werden erst ganz am Ende, nach Abschluss des Verfahrens, nach einer bestimmten Quote bezahlt. Sie erhalten also ganz am Ende einen Anteil Ihrer Forderung. Das sind durchschnittlich 3 – 5 % der Ursprungsforderung. Das ist nicht viel, und es wird meistens erst nach mehreren Jahren bezahlt.

Helfen kann Ihnen in dieser Situation nur ein spezialisierter Rechtsanwalt. Einen solchen finden Sie z.B. über das Internet oder über die Rechtsanwaltskammer.

Die größte Pflicht im Insolvenzverfahren

Die größte Pflicht des Schuldners besteht in der Zusammenarbeit mit dem Insolvenzverwalter. Man muss dem Insolvenzverwalter alles offenbaren und darf nichts verschweigen, auch wenn man es für unerheblich hält.

Die Vorschrift der Offenlegung geht sogar noch weiter: Man muss dem Verwalter sogar Tatsachen offenbaren, bei denen man sich selbst der Gefahr einer Verfolgung wegen einer Straftat oder Ordnungswidrigkeit aussetzen würde. Das ist im Recht eigentlich einmalig. Allerdings hat diese Vorschrift einen Schutzschirm: Das, was man preisgibt, darf nur für das Insolvenzverfahren verwendet werden und nicht für irgendetwas anderes.

Kooperiert man nicht mit dem Insolvenzverwalter, also geht man beispielsweise nicht zu einem Termin oder verweigert man Auskünfte, so kann der Verwalter eine zwangsweise Vorführung vor das Insolvenzgericht anordnen. Dort muss man die Fragen dann beantworten. Man ist auch verpflichtet, Akten und Unterlagen herauszugeben.

Regelmäßig nach Insolvenzen suchen

Man sollte bei Firmen, mit denen man Geschäfte macht, regelmäßig das Insolvenzregister abfragen. Warum? Weil eine Insolvenz jederzeit passieren kann. Fallen Sie nicht auf den Gedanken “Der Firma geht es gut, das sehe ich doch täglich” herein.

Sie können (meistens zumindest) nicht hinter die Fassade schauen, und ein offensichtlich gut laufender Geschäftsbetrieb heißt nicht, dass es dem Unternehmen auch wirtschaftlich gut geht. Vielleicht ist die Firma schon längst von der Pleite bedroht, und Sie wissen es nur nicht.

Plötzliche Änderungen der Zahlungsmodalitäten können ein Warnsignal sein, z.B. die Umstellung von Lastschrift auf Rechnung oder die plötzliche Verlängerung der Zahlungsziele.

Eine Insolvenz kann allerdings auch vollkommen ohne Vorwarnung eintreten, sozusagen aus heiterem Himmel.

Um aber nicht völlig überrascht zu werden, sollten Sie regelmäßig die Firmen, mit denen Sie Geschäfte machen, im Insolvenzregister abfragen. Prüfen Sie genau, ob eine dieser Firmen vielleicht schon Insolvenz angemeldet hat, oder ob ein vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt wurde.

Wer erfährt von einer Insolvenz?

Die Frage, wer von einer Insolvenz erfährt, lässt sich leicht beantworten: Alle Gläubiger erfahren davon, denn sie werden vom Insolvenzverwalter angeschrieben. Auch die Mitarbeiter erfahren davon, denn wenn ihre Gehälter nicht mehr gezahlt werden, sind sie berechtigt, Insolvenzgeld zu beantragen. Sie erhalten also ihr Geld zukünftig vom Arbeitsamt, allerdings nur für einen begrenzten Zeitraum, nicht dauerhaft.

Auch die sonstige Öffentlichkeit kann von der Insolvenz erfahren, denn das Insolvenzverfahren wird veröffentlicht. Die Öffentlichkeit muss informiert werden, denn sie soll davor geschützt werden, mit insolventen Firmen noch Geschäfte zu machen.

Eine Insolvenz ist ja grundsätzlich nichts Schlechtes oder Ehrenrühriges, aber die Allgemeinheit muss bescheid wissen. Im Grundsatz kann ein Insolvenzverfahren allerdings auch als etwas Positives angesehen werden, denn ab Einleitung des Verfahrens werden die Verbindlichkeiten geordnet.

Warum gehen Firmen pleite?

Fehler passieren überall, wo Menschen arbeiten. Deshalb kann man sich die Frage stellen, ob man sich eigentlich vollständig auf das Handelsregister verlassen kann.

Die Antwort ist: Ja und nein. Grundsätzlich hat das Handelsregister die Vermutung der Wahrheit an sich. Allerdings kann es immer zu Falscheintragungen kommen. Das können Versehen beim Notar oder beim Amtsgericht sein.
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Wie oft sollte man seine Geschäftspartner auf Insolvenz prüfen?

Es hängt ganz von Ihrer Risikofreude und von dem Geschäftsvolumen ab. Wenn keine großen offenen Forderungen bestehen und jedes Geschäft nur ein kleines Volumen hat, kann man die Prüfung nur jeweils alle paar Monate vornehmen.

Größere Vorsicht ist allerdings geboten, wenn es um größere Geschäfte mit Vorkasse oder Ratenzahlung geht. Denn haben Sie zum Beispiel Vorkasse geleistet und melde die Firma dann Insolvenz an, ohne vorher die Ware geliefert zu haben, dann ist Ihre Forderung nur eine Insolvenzforderung. Diese können Sie zur Insolvenztabelle anmelden, die Ware erhalten Sie nicht. Und von allen angemeldeten Forderungen erhalten Sie am Ende des Verfahrens, das auch mehrere Jahre dauern kann, im Durchschnitt 3 – 5%.

Deshalb sollte man bei größerem Volumen darauf achten, regelmäßig und in geringeren Abständen den Status von Geschäftspartnern zu prüfen. Über ein Online-Insolvenzregister erfährt man schnell und einfach, ob eine Firma einen Insolvenzantrag gestellt hat oder nicht. Es ist nicht verkehrt, dort mehrere Male pro Monat anzufragen. Die Frequenz der Anfragen hängt ganz vom Geschäft ab.

Erfährt es eine Firma, wenn man das Insolvenzregister über sie abfragt?

Man kann seine Geschäftspartner und Vertragspartner überprüfen – zum Beispiel, indem man regelmäßig prüft, ob gegen sie ein Insolvenzverfahren anhängig ist. Denn in einem solchen Falle müsste man die Geschäftsbeziehung überdenken, wenn man keinen finanziellen Schaden davontragen möchte.

Man braucht dabei auch keine Furcht vor “Entdeckung” zu haben, denn eine solche Abfrage kann man nicht nachvollziehen. Sie können sogar an das zuständige Insolvenzgericht schreiben und um Auskunft bitten, ob über das Vermögen der Firma ein Insolvenzverfahren anhängig ist. Die Firma wird davon nichts erfahren!

Wesentlich einfacher geht allerdings die Abfrage über das Internet. Und dort ist die Auskunft auch schneller, denn der Datenbestand des Online-Insolvenzregisters wird mehrmals täglich aktualisiert. Das ist wichtig, denn Firmen können auch mitten am Tag oder am späten Nachmittag Insolvenz anmelden, und man muss schnell darüber informiert sein.

Warum ist eine Insolvenz so schlimm?

Hier muss man zunächst einmal mit einem Vorurteil aufräumen: Eine Insolvenz ist nicht per se “schlimm”, sondern sie ist ein geordnetes rechtsstaatliches Verfahren zur Schuldenbereinigung. Der Gläubiger soll von der Einzel-Zwangsvollstreckung befreit werden, und in einem geordneten Verfahren soll festgestellt werden, welche Masse vorhanden ist und wie diese am besten verteilt werden kann.
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